Sesshaftmachung von tibetischen Nomaden nahezu beendet

Die chinesische Regierung hat mitgeteilt, dass das 2006 begonnene Programm zur Sesshaftmachung von tibetischen Nomaden kurz vor der Beendigung steht. In der Autonomen Region Tibet sind laut einer Meldung des regierungsoffiziellen Fernsehsenders Tibet TV praktisch alle 2.3 Millionen Nomaden in neu gebauten Siedlungen sesshaft gemacht worden, und in der nördlich angrenzenden Provinz Qinghai sollen gemäss dem Fünfjahresplan bis Ende Jahr 90% aller Nomaden sesshaft geworden sein. Die Nomaden werden dazu aufgefordert, ihre Viehherden in „Kooperativen“ zusammenzufassen.

Das Nachrichtenportal Qinghai Online News feierte diese Entwicklung mit folgenden Worten: „Die lokalen Nomaden freuen sich nun über ein neues, modernes Leben in blitzsauberen neu gebauten Häusern, während ihre Herden auf dem endlosen Grassland unter der Regie einer Kooperative gehegt werden.“
Offiziell wird die Sesshaftmachung mit ökologischen Aspekten begründet, zum Beispiel dem Risiko von

Überweidung. Kritiker entgegnen, dass in Wirklichkeit die Regierung ein starkes Interesse nach leichterer sozialer Kontrolle der Nomaden und Ausbeutung von Bodenschätzen im früheren Weideland hat. Die chinesische Journalistin und Umweltaktivistin Wang Yongchen, die für die Organisation Green Earth Volunteers spricht und die Kultur der Nomaden studierte, merkt an, dass die Nomaden in der Vergangenheit immer in der Lage waren, das ökologische Gleichgewicht zu wahren. Einmal in genormten Siedlungshäusern sesshaft gemacht, werden sie ihrer traditionellen Lebens- und Arbeitsweise beraubt und sind oft nicht mehr in der Lage, neue Erwerbsquellen zu finden. Stattdessen verarmen sie und verfallen nicht selten dem Alkohol.

Die Tibetische Regierung im Exil hat beobachtet, dass, wenn die Nomaden ihre Herden in Kooperativen einbringen, diese de facto ihrer Kontrolle entzogen sind und die chinesischen Angestellten in der Kooperative die Bewirtschaftung übernehmen.

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