Botschaft zum Tag der Erde

22. April 2021

Am Tag der Erde 2021 sende ich die dringende Bitte an meine Brüder und Schwestern auf der ganzen Welt, sowohl die Herausforderungen als auch die Möglichkeiten zu betrachten, die vor uns auf diesem blauen Planeten liegen, den wir uns teilen.

Ich sage oft scherzhaft, dass der Mond und die Sterne wunderschön aussehen, aber wenn wir versuchen würden, auf ihnen zu leben, würden wir uns dort nicht wohl fühlen. Unser Planet ist ein wunderbarer Lebensraum. Sein Leben ist unser Leben, seine Zukunft ist unsere Zukunft. Die Erde ist in der Tat wie eine Mutter für uns und als ihre Kinder sind wir auf sie angewiesen. Angesichts der globalen Probleme, wie die Auswirkungen der Erderwärmung und der Zerstörung der Ozonschicht, sind einzelne Organisationen und einzelne Nationen hilflos. Wenn wir nicht alle zusammenarbeiten, kann keine Lösung gefunden werden. Unsere Mutter Erde lehrt uns eine Lektion in universeller Verantwortung.

Ein Beispiel ist das Thema Wasser: Mehr denn je zuvor ist heute das Wohlergehen der Menschen in vielen Teilen der Welt, insbesondere das von Müttern und Kindern, extrem gefährdet, weil es einen kritischen Mangel an geeignetem Wasser und mit Blick auf die sanitären Einrichtungen und hygienischen Verhältnisse gibt. Es ist bedenklich, dass das Fehlen dieser wesentlichen Gesundheitsfaktoren auf der ganzen Welt fast zwei Milliarden Menschen betrifft. Und doch ist es lösbar. Ich bin dankbar, dass der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Antonio Guterres, einen dringenden globalen Aufruf zum Handeln ausgesprochen hat.

Die Interdependenz ist ein grundlegendes Gesetz der Natur. Und die Missachtung dieser gegenseitigen Abhängigkeit schadet nicht nur unserer natürlichen Umwelt, sondern auch unserer menschlichen Gesellschaft. Deshalb müssen wir Menschen ein größeres Bewusstsein für die Verbundenheit der gesamten Menschheit entwickeln. Jede und jeder von uns muss lernen, nicht nur für sich selbst, die eigene Familie oder die eigene Nation zu arbeiten, sondern für das Wohlergehen der gesamten Menschheit. In diesem Zusammenhang freue ich mich, dass Präsident Joe Biden in diesem Jahr am Tag der Erde einen Klimagipfel ausrichten wird, der die Staats- und Regierungschefs der Welt zusammenbringt, um ein Thema zu diskutieren, das uns alle betrifft.

Wenn unser Planet erhalten werden soll, müssen die Bildung für umweltrelevante Themen und die persönliche Verantwortung immer weiter zunehmen. Sich um die Umwelt zu kümmern, sollte ein wesentlicher Teil unseres täglichen Lebens sein. In meinem Fall ist mein Umweltbewusstsein erst erwacht, als ich ins Exil kam und eine Welt kennenlernte, die ganz anders war als die, die ich in Tibet gekannt hatte. Erst dann erkannte ich, wie ursprünglich die tibetische Umwelt war und wie sehr die moderne materielle Entwicklung zur Verschlechterung des Lebens auf dem ganzen Planeten beigetragen hat.

An diesem Tag der Erde sollten wir uns alle verpflichten, unseren Teil dazu beizutragen, die Umwelt unseres einzigen gemeinsamen Zuhauses, dieser wunderschönen Erde, positiv zu verändern.

Mit meinen Gebeten
Dalai Lama

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