Selbstverbrennung als Protest: So brutal unterdrückt China die Tibeter

Die Weltöffentlichkeit sieht auf die Gräueltaten des Islamischen Staats in Syrien und im Irak, die Kämpfe in der Ostukraine oder die zahlreichen Anschläge in Afghanistan. Im Schatten dieser blutigen Auseinandersetzungen ist ein weiterer Konflikt fast in Vergessenheit geraten. Dabei hat er sich gerade in den vergangenen Monaten zugespitzt: der verzweifelte Kampf der Tibeter um ihre Freiheit.

China will Tibets Bodenschätze zunehmend ausbeuten

„Wir erhalten im Moment zwei bis drei glaubwürdige Berichte pro Woche über Probleme in Tibet“, sagt Ulrich Delius, Asien-Referent der Gesellschaft für bedrohte Völker. Aktuell sorge vor allem der zunehmende Bergbau in ländlichen Regionen für Schwierigkeiten. Tibet sei ein an Bodenschätzen reiches Land, das die Chinesen jetzt verstärkt ausbeuten wollen. Das führe zu vielen Konflikten. Regelmäßig komme es zu Demonstrationen, gegen die Chinas Polizei hart vorgehe. Zahlreiche Demonstranten würden für lange Zeit ins Gefängnis gesperrt.

Die Nomaden werden zwangsangesiedelt

Vor allem Mönche, Nonnen und Intellektuelle kommen für den kleinsten Protest jahrelang hinter Gitter. „Besonders schlimm ist es auch um die Zukunft der Nomaden bestellt", ergänzt Delius. Ehemals machten sie mehr als ein Drittel der tibetischen Bevölkerung aus. Bis 2015 sollen sie alle in sozialistischen Dörfern angesiedelt werden. Entgegen ihrer traditionellen Lebensweise sind sie damit zur Sesshaftigkeit gezwungen – ohne Aussicht auf Arbeit und ohne Perspektive.

130.000 Tibeter leben heute im Exil

Über 60 Jahre dauert die Tibet-Krise jetzt schon an. 1950 besetzte die chinesische Volksbefreiungsarmee das abgeschiedene Land auf dem „Dach der Welt“. Unter militärischem Druck unterzeichnete die tibetische Führung ein 17-Punkte-Abkommen, das den Tibetern kulturelle und religiöse Autonomie zusicherte. Doch die Besatzer hielten sich nicht daran. Die Unruhen in Tibet nahmen zu. 1959 flüchtete der Dalai Lama nach Indien und lebt seitdem in Dharamsala im Exil. Viele andere seiner Landsleute taten es ihm gleich. Insgesamt 130 000 Tibeter sind heute als Flüchtlinge über die Welt verstreut.

1,2 Millionen Tibeter starben unter chinesischer Besatzung

Bislang kamen durch die chinesische Besatzung schätzungsweise 1,2 Millionen Tibeter ums Leben. Sie starben in Kämpfen gegen die Invasoren, in Gefängnissen und Arbeitslagern, wurden zu Tode gefoltert oder hingerichtet, verhungerten oder begingen aus Verzweiflung Suizid. Überdies zerstörten die Besatzer mehr als 6000 Klöster – und damit die traditionellen Bildungszentren des tibetischen Volks.

Finanzielle Vergünstigungen locken chinesische Siedler nach Tibet

Seit Anfang der 1980er-Jahre überschwemmt eine Flut von Han-Chinesen das Land. Zum einen schickt Peking Techniker und Regierungsbeamte, die Tibet entsprechend chinesischen Vorstellungen „entwickeln“ sollen. Zum anderen locken finanzielle Vergünstigungen zahlreiche Einwanderer an. Wie viele ethnische Chinesen heute in Tibet leben, lässt sich nur vermuten, weil keine Statistiken darüber verfügbar sind.

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