Ministerpräsident der tibetischen Exilregierung an der EURAC

Ministerpräsident Sangay ist am Montag, 27. Februar, um 18 Uhr an der EURAC zu Gast und spricht im Rahmen einer öffentlich zugänglichen Veranstaltung über die aktuelle Situation im Tibet und seine politischen Ziele.

Aus Protest gegen die chinesische Herrschaft verbrennen sich immer wieder tibetische Mönche und Nonnen, mehr als zwanzig sind es allein seit März 2011. Umschattet von Nachrichten über Selbstverbrennungen und Protestkundgebungen, markiert der Amtsantritt des Premierministers Lobsang Sangay im vergangenen Jahr dennoch einen Wendepunkt in der Geschichte des tibetischen Volkes. Seit Jahrhunderten gründet die tibetische Regierung auf einem theokratischen Modell, nach welchem der Dalai Lama sowohl als geistliches als auch als politisches Oberhaupt gilt. Im Frühjahr vergangenen Jahres kündigte der Dalai Lama an, seine politische Verantwortung als Staatsoberhaupt abgeben zu wollen. Alle politischen Ämter sollten von frei gewählten Volksvertretern bekleidet werden. So sollte mit einer neuen Generation an jüngeren und weltlich orientierten Vertretern den Bemühungen Tibets um eine Autonomie größere Durchschlagkraft verliehen werden. Gleichzeitig betonte der Dalai Lama, seine Verantwortung als geistliches Oberhaupt der Tibeter weiterhin wahrnehmen zu wollen. Kurz danach wählten knapp 50.000 Tibeter im Exil auf der ganzen Welt Lobsang Sangay zu ihrem neuen politischen Oberhaupt. Sangay, der bis dahin als Jurist und Völkerrechtler an der US-amerikanischen Harvard Universität tätig war, verlegte nach der Wahl seinen Wohnsitz ins indische Dharamsala, wo die tibetische Exilregierung ihren Sitz hat. In Tibet selbst ist der neue Ministerpräsident bislang nicht gewesen. Geboren 1968 als Sohn tibetischer Flüchtlinge in der nordindischen Region Darjeeling, studierte Sangay Rechtswissenschaften in Delhi und kam über ein Stipendium in die USA.

Der tibetische Ministerpräsident spricht an der EURAC über die Proteste und Spannungen in den tibetischen Regionen, sowie über seine politischen Ziele und wie diese mit dem vom Dalai Lama angestrebten „Dritten Weg“, nämlich einer anerkannten Autonomie für Tibet innerhalb der chinesischen Republik, verbunden sind. Nach der öffentlich zugänglichen Diskussion trifft Lobsang Sangay die Wissenschaftler des EURAC-Instituts für Minderheitenrecht die die tibetische Exilregierung bereits seit Jahren in Fragen zur Autonomie beraten.

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