Angespannte Sicherheitslage beim Dalai Lama in Hamburg

Der Dalai Lama gibt bei seinem Hamburg-Besuch vom 23. bis zum 26. August noch eine Zugabe: Am 27. August wird das geistliche Oberhaupt der Tibeter bei einer hochrangigen Konferenz zur Zukunft des Verhältnisses mit China sprechen. Gleich um 7.15 Uhr – seine Heiligkeit ist ein Frühaufsteher – richtet der Dalai Lama, 79, im Grand Elysée Hotel das Wort an die Teilnehmer. Das bestätigte der Europa-Repräsentant des Dalai Lama, Tenzin D. Sewo, dem Abendblatt.

Danach gibt es Diskussionen und sicherlich Kontroversen darüber, wie das neue Verhältnis zwischen den Exiltibetern und den Chinesen ausgestaltet werden kann. Die Frage ist heikel, ging es doch zuletzt um einen Mittelweg, eine gemäßigte Gangart gegenüber den Machthabern in Peking. Keine Anbiederung, aber wieder Annäherung. Die chinesische Regierung fährt seit jeher öffentlich einen Aggressionskurs gegen den Friedensnobelpreisträger Dalai Lama und versucht, seine Arbeit zu behindern, wo es geht.

Verschiedene Staatsmedien nannten ihn schon den "Wolf in der Mönchskutte". An der Konferenz in Hamburg wird auch der exiltibetische Premier Lobsang Sangay teilnehmen, er ist seit drei Jahren im Amt. Auch das dürfte Peking provozieren. Sangay ist einer der besten Lobbyisten für die Sache der Tibeter.

Vor dem Hintergrund brutaler ethnischer und religiöser Konflikte auf der Welt (Ukraine, Gaza, Westafrika) ist aber sowohl den Tibetern als auch den Chinesen an einer Deeskalation gelegen. Dazu soll die Hamburger Konferenz einen Beitrag leisten. Dennoch spielt in das Verhältnis auch immer die schwierige Beziehung zwischen den Atommächten Indien und China hinein. Als der Dalai Lama aus Tibet floh, fand er Asyl in Dharamsala (Indien). Dort residiert noch heute die Exilregierung.

In Hamburg herrscht wegen des Dalai-Lama-Besuchs eine angespannte Sicherheitslage. Das kennt seine Heiligkeit bereits. Doch China hat in der Stadt auch eine wichtige diplomatische Vertretung in dem Generalkonsulat an der Elbchaussee. Und Hamburg beherbergt Hunderte chinesischer Firmen. Weder das Grand Elysée Hotel noch die Behörden wollten sich zu Details der Sicherheitsmaßnahmen für den Dalai Lama äußern.

Das Generalkonsulat veröffentlichte einen Text, in dem auf das chinesische "Forum zur Entwicklung Tibets" in Lhasa hingewiesen wurde. Dort sei auch über "die Entwicklungschancen Tibets, den Schutz der tibetischen Kultur und den Umweltschutz in der Region beraten" worden.

Das Schicksal Tibets sei eng mit der Entwicklung und dem Schicksal der Volksrepublik China verbunden. "Die Tibet-freundliche Politik der Zentralregierung hat die Entwicklung der Region gefördert", heißt es. Tibet habe sich wirtschaftlich positiv entwickelt. Doch zu welchem Preis, werden sich die Anhänger des Dalai Lama fragen.

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